Bitterstoffe – kleine Helfer mit großer Wirkung

Unter Störungen im Verdauungsbereich leiden inzwischen die meisten Menschen. Ob Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen oder Sodbrennen, Gallensteine oder Magenschmerzen – viele kennen diese Erscheinungen als Dauerbegleiter. Unsere Nahrung ist inzwischen arm an Vitalstoffen geworden, denn um sie optisch ansprechend zu verkaufen, werden Obst und Gemüse unreif geerntet und müssen oft weite Transportwege bei nachträglicher künstlicher Reifung zurücklegen. Waren früher Bitterstoffe in Nahrungsmitteln wie Getreide, Endivie, Rucola, Rosenkohl und Kräutern enthalten, schmeckt vieles heute nur noch wässrig und eher süß. Denn bitter ist bei vielen unbeliebt und wird herausgezüchtet. Dabei ist dies die wichtigste Geschmacksrichtung für unsere Gesundheit. Hinzu kommt unsere Zeitqualität  „to go“ – Essen zum Mitnehmen, Nahrungsaufnahme für zwischendurch oder nebenher, kaum jemand nimmt sich Zeit für seine Mahlzeiten und bezieht  ganz bewusst Geruchs- und Geschmackssinne mit ein. Schade, denn genau hier liegt ein großes Potenzial für Zufriedenheit nach und Gesundheit durch unser Essen.

Wir wirken Bitterstoffe auf die Verdauung?

Für eine regelrechte Verdauung benötigen wir ausreichend

  • Mundspeichel (Kohlenhydratspaltung)
  • Magensäure (spaltet Eiweiß; wandelt Eisen in eine verwertbare Form; unterstützt die Vitamin B12- Aufnahme im Zwölffingerdarm durch Bildung des Intrinsic Faktors, eliminiert viele mit dem Essen aufgenommene Bakterien und Krankheitserreger)
  • Gallesekret aus der Leber (spaltet Fette)
  • Enzyme der Bauchspeicheldrüse (Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißverdauung)
  • Bicarbonat aus der Bauchspeicheldrüse sorgt für ein basisches Milieu im Zwölffingerdarm, damit die Enzyme vollständig wirken können

Werden diese Verdauungssäfte aufeinander abgestimmt freigesetzt, sorgen sie wie ein Orchester für eine optimale Aufspaltung der Nahrung, so dass diese auf ihrem weiteren Weg durch unseren Darm problemlos aufgenommen wird, ohne die Flora oder Schleimhaut zu schädigen. Auch die darmeigene Produktion von Vitamin K oder Enzymen, die Histamin abbauen und Milchzucker spalten,  kann dann erhalten bleiben.

Genau diese Freisetzung der Verdauungssäfte sowie die Aktivität von Magen und Darm werden vor allem durch den Geschmack von Bitterem ausgelöst. Da dies weitgehend in unserer Nahrung fehlt, wenig Zeit für die Mahlzeiten eingeplant wird und diese oft noch mit schädlichen Zusatzstoffen angereichert sind, kommt es hierdurch zu einer nachhaltigen Störung im Verdauungstrakt mit den oben genannten Beschwerden. Denn mit nicht ausreichend vorverdautem Essen ist unser Darm völlig überfordert. Er kann Nährstoffe nicht resorbieren während gleichzeitig der Nahrungsbrei zu lange im Verdauungskanal verweilt. Dies führt zu Gärungs- und Fäulnisprozessen mit Gasbildung und nachfolgender Zerstörungen von Schleimhaut und Flora. Während Zucker sofort ins Blut geht und bei Überschuss als Fett eingelagert wird, hungern unsere Zellen, weil ihnen die nicht resorbierbaren Vitalstoffe wie Aminosäuren, Vitamine und Mineralien, fehlen. Im Laufe der Zeit entsteht so das Phänomen, dass viele zwar übergewichtig, aber eigentlich mangelernährt sind. Im Übrigen können hieraus auch zu hohe Leberwerte im Labor resultieren, da die Gärungsprozesse zur Produktion von so genanntem Fusel-Alkohol im Darm führt. Dieser belastet die Leber genauso, wie getrunkener Alkohol.

Außerdem wirken Bitterstoffe wie eine natürliche „Essbremse“, da sie den Appetit regulieren, während eher süße Geschmacksrichtungen die Insulinausschüttung anregen und appetitsteigernd wirken. Insgesamt ist unser Geschmacksempfinden sehr aus dem natürlichen Gleichgewicht geraten, denn oft werden mit dem Essen noch allerlei Geschmacks-, Farb- und Konservierungsstoffe aufgenommen, die unser Nervensystem irritieren und die natürliche Wahrnehmung von Hunger oder Sättigung verändern. Dies führt ebenso zu den genannten Beschwerden und infolge dessen zu Wohlstandskrankheiten wie Diabetes, hohe Blutfettwerte und Störungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Neben der regulierenden Wirkung aktivieren Bitterstoffe die Verdauungsdrüsen, beschleunigen somit die Nahrungsverwertung und kurbeln den Stoffwechsel an. Sie sind daher bei jeder Gewichtsabnahme unverzichtbare Helfer, denn sie unterstützen so auch die Ausscheidung von Stoffwechselschlacken. Wird der Körper entlastet und kann Nahrung optimal aufnehmen, reguliert und erhält sich auch eine gesunde Darmflora und es kommt weniger zu Fehlbesiedelungen.

Auch ein weiteres wichtiges Organsystem soll hier nicht außer Acht gelassen werden: unser Immunsystem!

Wir wissen, dass der größte Teil davon in den Schleimhäuten von Darm und Magen sitzt. Somit profitiert ein intaktes Immunsystem in erster Linie von einer gesunden Verdauung. Bitterstoffe kräftigen die Schleimhäute, die unsere wichtigste Barriere gegen Eindringlinge sind. Auch vorhandene Pilze, Viren oder Bakterien können so besser ausgeschieden werden, anstatt in den Körper einzudringen. Auch jede Art der Darmsanierung kann so wirksam unterstützt werden. Zudem wirken Bitterstoffe stark basisch im Stoffwechsel, was die sanfte Regulierung des Säure-Basen-Gleichgewichts fördert.

Was können Sie für eine gesunde Verdauung tun?

  • Lassen Sie sich Zeit zum Essen und genießen Sie es mit allen Sinnen! Dies ermöglicht es dem Körper, Verdauungssäfte bereitzustellen
  • Nehmen Sie Bitterstoffe vor jeder Mahlzeit, um die Enzymausschüttung und –wirkung zu optimieren
  • Trinken Sie keine großen Flüssigkeitsmengen zum Essen. Ein Glas Rotwein zum Abendessen kann dem Darm sogar gut tun. Doch Schorlen, Säfte, Bier oder Wasser in größeren Mengen verdünnen die so wichtige Magensäure und stören damit die Verdauung
  • Gönnen Sie sich auch nach dem Essen entweder Ruhe oder einen kleinen Spaziergang. Denn nur in der Entspannung funktioniert unsere Verdauung optimal.
  • Verzichten Sie auf Fertigprodukte und Essen to go – zum einen wegen der Zusatzstoffe, zum anderen wegen der fehlenden Entspannung und bewussten Nahrungsaufnahme

Welche Bitterstoffe sind die richtigen für mich?

Bitterkräuter gibt es viele. Ebenso gibt es viele fertige Bitterstoffmischungen als Tropfen, Pulver oder Granulat. Hier darf jeder probieren, was ihm gut tut. Es gilt jedoch: je bitterer, umso effektiver ist die Wirkung.

An dieser Stelle seien ein paar wichtige Bitterkräuter vorgestellt:

  • Angelikawurzel: wirkt antibakteriell und gegen Schimmelpilze
  • Artischocke: Anregung und Schutz der Leber, fördert die Fettverdauung, gegen Blähungen
  • Blutwurz: antientzündlich und gegen Durchfall
  • Mariendistel: regeneriert Leberzellen, beugt Verdauungsbeschwerden vor, hilft bei Krampfadern und Hämorrhoiden
  • Kurkuma: antientzündlich, verdauungsfördernd, aktiviert die Leber, stärkt das Immunsystem
  • Enzian: regt die Verdauungssäfte an, entstaut und wirkt blähungslösend
  • Wermut: verdauungsfördernd, entzündungshemmend, gegen Krämpfe und Übelkeit

Was kann ich noch für eine gesunde Verdauung tun?

Neben der regelmäßigen Einnahme von Bitterstoffen gibt es natürlich viele weitere Möglichkeiten. Die Einnahme von Basenmitteln hilft den pH-Wert im Darm richtig einzustellen, regelmäßige Leberwickel sind entspannend, beruhigend und ein wahres Wellness-Paket für unsere Leber. Eine Leber-Galle-Reinigung nach Andreas Moritz kann die verstopften Gallegänge der Leber wieder freimachen, so dass die Leber Ihre Entgiftungsleistung verbessert. Eine Colon-Hydro-Therapie mit anschließendem Aufbau kann helfen, eine Fehlbesiedelung des Darmes oder Verdauungsstörungen schneller zu beseitigen. Auch im Rahmen des Fastens oder der Leber-Galle-Reinigung ist diese eine wunderbare und einfache Unterstützung. Das Fasten selbst ist oft ein Jungbrunnen für unsere Gesundheit, denn hier kommt der komplette Verdauungstrakt für eine Zeit zur Ruhe und kann sich regenerieren. Denn alle Reparaturvorgänge im Körper funktionieren vor allem im „Hungermodus“. Weitere Maßnahmen wie gezielte Darmsanierung, Aufbau der Darmschleimhaut und –flora und Verbesserung der Durchblutung und des Lymphflusses im Verdauungstrakt können im individuellen Fall ebenfalls erforderlich sein.

Fazit: Bereits Hippokrates formte den Satz „Der Tod sitzt im Darm“. Wenn dies auch etwas drastisch klingt, so bewahrheitet sich in der Praxis immer wieder, dass man bei chronischen Erkrankungen in der Regel immer eine schon länger gestörte Verdauung findet. Hier sitzt tatsächlich die Wurzel unserer Gesundheit, hier wird alles aufgenommen in den Körper und hier sollte ihn alles verlassen, was nicht hineingehört. Kommt dieses Gleichgewicht aus dem Lot, ist Krankheiten Tür und Tor geöffnet. Neben den vielen anderen genannten Maßnahmen ist die regelmäßige Anwendung von Bitterstoffen die einfachste und hat dabei einen enorm weitreichenden Einfluss. Wenn der Geschmack zu Beginn vielleicht auch ungewohnt ist, so zeigt die Praxiserfahrung, dass ganz bald die meisten Patienten „ihre“ Bitterstoffe lieben, weil Sie merken, wie wohl sich eine gute Verdauung anfühlt und wie sich mit der Zeit oft das gesamte Wohlbefinden verbessert.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema oder andere gesundheitliche Anliegen? Dann kontaktieren Sie mich gerne hier.

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Anke Neumann-Roß

Bereits Hildegard von Bingen kannte die heilende Wirkung von Bitterstoffen in der Nahrung. In unserer heutigen Ernährung finden wir sie kaum noch. Gibt es hier vielleicht einen Zusammenhang mit den weit verbreiteten Verdauungsstörungen, unter denen nahezu jeder leidet? Und was sind die Folgen?